Erich Strenger – Der Markenmacher und Kommunikationsstratege bei Porsche
Erich Strenger – der Grafiker, der das Bild von Porsche prägte
Erich Strenger gehört zu den Persönlichkeiten, die das frühe Erscheinungsbild von Porsche entscheidend geprägt haben. Seine Rennplakate, Anzeigen und die Gestaltung des Kundenmagazins Christophorus beeinflussten über Jahrzehnte, wie die Marke wahrgenommen wurde.
Wenn wir heute an Porsche denken, entstehen sofort bestimmte Bilder im Kopf: die charakteristische Silhouette eines 356 oder 911, historische Rennplakate, Motorsport-Erfolge und eine unverwechselbare grafische Sprache.
Einer der Menschen, die dieses Bild der Marke besonders früh und nachhaltig geprägt haben, war Erich Strenger.
Der Grafiker, Illustrator und Fotograf arbeitete ab 1951 über Jahrzehnte für Porsche. Er gestaltete Werbung, Prospekte, Betriebsanleitungen und zahlreiche weitere Drucksachen. Besonders bekannt wurden jedoch seine Rennplakate und seine Arbeit am Porsche-Kundenmagazin Christophorus.
Für ELEVENCLASSICS werfen wir einen Blick auf einen Mann, der keinen Motor entwickelte und kein Rennen gewann – und dennoch wesentlich dazu beitrug, wie Porsche bis heute wahrgenommen wird.
Wer war Erich Strenger?
Erich Strenger wurde 1922 in Bad Cannstatt geboren und beschäftigte sich bereits früh intensiv mit Fotografie, Grafik und Gestaltung.
Nach einer Ausbildung zum Reproduktionsfotografen studierte er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.
Seine Verbindung zu Porsche begann Anfang der 1950er Jahre. Strenger war selbst von den jungen Sportwagen aus Stuttgart begeistert und kaufte bereits 1951 einen roten Porsche 356.
Aus dieser persönlichen Begeisterung entwickelte sich eine außergewöhnlich lange Zusammenarbeit.
Ab 1951 gestaltete Strenger für Porsche
Porsche war zu dieser Zeit noch ein sehr junges Unternehmen.
Die Marke besaß weder die Größe noch die Werbebudgets großer Automobilhersteller. Gleichzeitig entstand durch erste Motorsport-Erfolge international immer mehr Aufmerksamkeit.
Strenger half dabei, diese Erfolge visuell zu übersetzen.
Als freier Grafiker gestaltete er für Porsche Verkaufskataloge, Werbeanzeigen, Betriebsanleitungen und zahlreiche weitere Druckerzeugnisse.
Damit entwickelte er keine klassische Werbekampagne im heutigen Sinn. Vielmehr entstand über viele Jahre eine eigenständige visuelle Sprache für die Marke.
Die Porsche-Rennplakate machten Siege sichtbar
Besonders eng ist der Name Erich Strenger mit den historischen Porsche-Rennplakaten verbunden.
Von den frühen 1950er Jahren bis in die 1980er Jahre setzte er zahlreiche Erfolge der Porsche-Rennwagen grafisch in Szene.
Le Mans, Sebring, Daytona, Spa, Bergrennen oder andere internationale Motorsportveranstaltungen lieferten immer neue Motive.
Die Plakate waren großformatig, farbstark und für ihre Zeit ausgesprochen modern.
Strenger kombinierte Fotografie, Illustration, Typografie und grafische Flächen so, dass nicht nur ein Rennsieg dokumentiert wurde. Gleichzeitig entstand eine Botschaft über Porsche selbst: Geschwindigkeit, technische Qualität und Zuverlässigkeit.

Strenger Plakat
Warum Motorsport für die frühe Porsche-Werbung so wichtig war
In den frühen Jahren war Motorsport für Porsche weit mehr als sportlicher Wettbewerb.
Rennerfolge waren gleichzeitig ein wichtiger Beweis für die Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge.
Da Fernsehen noch keine flächendeckende Bedeutung besaß und Porsche nur begrenzte Werbemittel zur Verfügung standen, konnten Motorsport-Erfolge besonders wirkungsvoll für die Markenkommunikation genutzt werden.
Ein Sieg bei einem bedeutenden Rennen wurde deshalb nicht nur gefeiert. Er wurde durch Anzeigen, Fotografien und Strengers Rennplakate weltweit sichtbar gemacht.
Erich Strenger und Christophorus
Ein zweites wichtiges Kapitel seiner Arbeit ist eng mit dem Porsche-Kundenmagazin Christophorus verbunden.
Gemeinsam mit dem Journalisten und späteren Porsche-Werksfahrer Richard von Frankenberg entwickelte Strenger Anfang der 1950er Jahre das Konzept des Magazins.
Im Juli 1952 erschien die erste Ausgabe.
Richard von Frankenberg verantwortete die Redaktion, während Erich Strenger insbesondere die grafische Gestaltung prägte.
Auch der charakteristische Christophorus-Schriftzug und zahlreiche Titelgestaltungen gehen auf Strengers Arbeit zurück.
Ein ungewöhnlich moderner Ansatz zur Kundenbindung
Christophorus war von Beginn an mehr als ein klassischer Verkaufskatalog.
Das Magazin erzählte Geschichten über Fahrzeuge, Reisen, Technik, Motorsport und die Menschen hinter Porsche.
Damit entstand bereits früh etwas, das man heute als Content Marketing oder Corporate Publishing bezeichnen würde.
Kunden sollten Porsche nicht nur als Hersteller eines Automobils wahrnehmen. Sie sollten sich als Teil einer besonderen Welt verstehen.
Diese Idee wirkt bis heute weiter. Christophorus erscheint noch immer und gehört damit zu den traditionsreichsten Kundenmagazinen der Automobilindustrie.
Strenger schuf Bilder für den Mythos Porsche
Die besondere Leistung von Erich Strenger bestand darin, technische Produkte emotional verständlich zu machen.
Ein Porsche wurde in seinen Arbeiten nicht einfach abgebildet.
Der Wagen wurde Teil einer Geschichte: auf einer Rennstrecke, vor einer Landschaft, als Sieger eines Langstreckenrennens oder als Ausdruck moderner Mobilität.
Dadurch entstanden Bilder, die weit über ihre ursprüngliche Funktion als Werbung hinausgingen.
Viele historische Porsche-Plakate werden heute selbst gesammelt und als Designobjekte gehandelt.
Typografie wurde Teil der Porsche-Identität
Neben seinen Plakaten und Illustrationen beschäftigte sich Strenger intensiv mit Schrift und grafischer Identität.
Auch der markante Porsche-Schriftzug wurde durch seine Arbeit geprägt und entwickelte sich zu einem wichtigen Bestandteil des visuellen Auftritts der Marke.
Gerade diese Verbindung von Typografie, Fotografie, Illustration und klarer Gestaltung machte seine Arbeit außergewöhnlich.
Viele seiner Entwürfe wirken deshalb auch Jahrzehnte später erstaunlich modern.
Warum Strengers Gestaltung heute noch funktioniert
Gutes Automobildesign altert häufig langsamer als modische Gestaltung. Ähnliches gilt für gute Grafik.
Strengers Arbeiten waren vergleichsweise klar und konzentrierten sich auf wenige starke Elemente.
Ein Fahrzeug, ein Rennmoment, eine prägnante Schrift und eine klare grafische Idee genügten häufig.
Gerade deshalb besitzen viele seiner Arbeiten heute nicht nur historischen, sondern auch ästhetischen Wert.
Vom Werbeplakat zum Sammlerobjekt
Was ursprünglich Werbung für einen Sportwagenhersteller war, ist heute selbst Teil der Porsche-Sammlerwelt.
Originale Rennplakate aus den 1950er, 1960er und 1970er Jahren werden gesammelt, archiviert und gehandelt.
Auch frühe Ausgaben von Christophorus, historische Prospekte und andere Porsche-Drucksachen haben sich zu eigenständigen Sammelgebieten entwickelt.
Damit zeigt sich eine interessante Besonderheit der Marke: Nicht nur die Fahrzeuge sind Teil der Porsche-Geschichte. Auch die Dinge, mit denen Porsche seine Fahrzeuge einst präsentierte, sind inzwischen historische Zeitzeugen.
Erich Strenger und die Porsche-Motorsportgeschichte
Strenger saß nicht selbst am Steuer der erfolgreichen Rennwagen und entwickelte auch nicht ihre Technik.
Dennoch war er eng mit den Porsche-Motorsporterfolgen verbunden.
Ingenieure und Fahrer sorgten für den Sieg. Strenger half anschließend dabei, diesen Erfolg in ein dauerhaftes Bild zu verwandeln.
Gerade dadurch wurden Rennsiege weit über die Rennstrecke hinaus bekannt.
Die Verbindung aus Motorsport und Kommunikation war ein wichtiger Bestandteil beim Aufbau des internationalen Porsche-Images.
Warum Personen wie Erich Strenger für die Porsche-Geschichte wichtig sind
Automobilgeschichte wird häufig anhand von Fahrzeugen, Ingenieuren und Rennfahrern erzählt.
Eine starke Marke entsteht jedoch aus vielen unterschiedlichen Disziplinen.
Designer, Fotografen, Grafiker, Journalisten und Kommunikatoren tragen ebenfalls dazu bei, wie ein Unternehmen wahrgenommen wird.
Erich Strenger ist dafür bei Porsche ein besonders gutes Beispiel.
Er entwickelte keine neue Motorengeneration. Trotzdem beeinflusste er über Jahrzehnte, welche Bilder Menschen mit Porsche verbanden.
Porsche als technische und kulturelle Marke
Gerade für Sammler ist diese Perspektive interessant.
Ein historischer Porsche ist nicht nur eine Kombination aus Motor, Karosserie und Fahrwerk.
Er ist gleichzeitig Teil einer bestimmten Epoche und ihrer Kultur.
Historische Fotografien, Prospekte, Rennplakate und Magazine helfen heute dabei, diese ursprüngliche Welt eines Fahrzeugs zu verstehen.
Bei der Restaurierung oder historischen Einordnung eines Porsche können solche zeitgenössischen Dokumente deshalb ausgesprochen wertvoll sein.
Erich Strenger als Teil der frühen Porsche-DNA
Die Zusammenarbeit zwischen Porsche und Strenger dauerte mehr als drei Jahrzehnte.
In dieser Zeit wandelte sich Porsche von einem kleinen jungen Sportwagenhersteller zu einer international bekannten Marke.
Auch die Modelle veränderten sich grundlegend: vom Porsche 356 über den 911 bis zu den großen Motorsport-Erfolgen der späteren Jahrzehnte.
Strengers Gestaltung begleitete einen erheblichen Teil dieser Entwicklung.
Damit wurde seine Arbeit selbst zu einem Stück Porsche-Geschichte.
Fazit: Der Mann hinter dem Bild von Porsche
Erich Strenger gehört zu den Persönlichkeiten der Porsche-Geschichte, deren Name außerhalb der Enthusiastenszene deutlich weniger bekannt ist als ihre Arbeit.
Seine Rennplakate, Anzeigen, Prospekte und die Gestaltung von Christophorus trugen wesentlich dazu bei, Porsche eine eigenständige visuelle Identität zu geben.
Gerade in den frühen Jahrzehnten half seine Arbeit dabei, Motorsport-Erfolge in Markenwerte zu übersetzen: Sportlichkeit, Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und technische Qualität.
Viele seiner Entwürfe haben ihre ursprüngliche Funktion als Werbung längst überlebt. Heute sind sie selbst Sammlerobjekte und wichtige Dokumente der Porsche-Historie.
Damit zeigt Erich Strenger eindrucksvoll, dass die Geschichte von Porsche nicht nur von Konstrukteuren und Rennfahrern geschrieben wurde. Auch diejenigen, die diese Fahrzeuge und ihre Erfolge in Bilder übersetzten, trugen ihren Teil zum Mythos Porsche bei.
Dieser Artikel ist Teil unserer Serie über die „Personen im Hintergrund“, die zur Porsche-Erfolgsgeschichte beigetragen haben. Dazu gehören unter anderem Hans Mezger, Erwin Komenda, Huschke von Hanstein, Herbert Linge, Hans Herrmann, Norbert Singer und Erich Strenger.